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<title>Digital Selective Calling</title>
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<p><b>Digital Selective Calling</b> (<b>DSC</b>; <b>Digitaler Selektivruf</b>) ist ein digitales Anrufverfahren im <a href="Seefunk" class="mw-redirect" title="Seefunk">Seefunk</a>, das zusätzlich zum Sprechfunkverfahren benutzt wird. Ein DSC-Anruf dient dem Herstellen einer Funkverbindung mit einer bestimmten <a href="Funkstelle" title="Funkstelle">Funkstelle</a>, allen erreichbaren Funkstellen (<i>all ships/stations call</i>) oder allen Funkstellen in einem bestimmten geographischen Bereich (<i>area call</i>). Die rufende Funkstelle schickt dabei ein digitales Nachrichtenpaket an die gerufenen Funkstellen, das bestimmte standardisierte Daten über das Fahrzeug und die Meldung enthält sowie auf welchem <a href="Kanalraster" title="Kanalraster">Funkkanal</a> bzw. auf welcher <a href="Frequenz" title="Frequenz">Frequenz</a> (<a href="Not-_und_Anrufkanal" title="Not- und Anrufkanal">Arbeitskanal</a>) die anschließende Sprechverbindung stattfinden soll.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> DSC ist ein wesentlicher Bestandteil im <i><a href="Global_Maritime_Distress_Safety_System" class="mw-redirect" title="Global Maritime Distress Safety System">Global Maritime Distress Safety System</a> (GMDSS)</i>.
</p><p>Beim DSC geschieht der Anruf durch Übermittlung einer Schmalband-Telex-Sendung, weshalb sowohl sendende als auch empfangende Funkstelle(n) mit Zusatzgeräten (sog. DSC-Controllern) an ihren Seefunkanlagen ausgerüstet sein müssen (heutzutage oft integriert). Der Funker, d. h. die rufende Funkstelle, gibt hierbei die <a href="Maritime_Mobile_Service_Identity" title="Maritime Mobile Service Identity">Maritime Mobile Service Identity</a> (MMSI) der angerufenen Funkstellen, die Art des Anrufes (Not-, Dringlichkeits-, Sicherheits- oder Routineverkehr) sowie ggf. den Kanal (bei <a href="Ultrakurzwelle" title="Ultrakurzwelle">UKW</a>-Seefunkgeräten) bzw. die Frequenz (bei <a href="Grenzwelle" title="Grenzwelle">Grenzwelle</a>/<a href="Kurzwelle" title="Kurzwelle">Kurzwelle</a>-Seefunkgeräten) für den sich anschließenden Sprechfunkverkehr in den DSC-Controller ein. Der DSC-Controller der rufenden Funkstelle ergänzt automatisch die genaue Uhrzeit und Position (sofern ein <a href="Global_Positioning_System" title="Global Positioning System">GPS</a>-Gerät angeschlossen ist) bzw. die letzte von Hand eingegebene Position und Uhrzeit sowie die MMSI der rufenden Funkstelle. Alle weiteren Informationen – wie z. B. die Art der gewünschten Hilfeleistung, die Art des Hindernisses für die Schifffahrt oder der Inhalt eines Routine-Funkgesprächs – werden im Anschluss an den DSC-Anruf mittels Sprechfunk übermittelt. DSC ist somit kein Ersatz für den Sprechfunkverkehr, sondern lediglich für den Sprechfunk-Anruf.
</p><p>Besondere Vorteile des DSC sind u. a.:
</p>
<ul><li>auf der/den gerufenen Funkstelle(n) wird mit einem akustischen und optischen Signal auf den eingehenden Anruf hingewiesen, so dass eine ständige Überwachung des gesamten Funkverkehrs auf relevante Anrufe nicht erforderlich ist</li>
<li>die per DSC übertragenen Daten erscheinen in Klarschrift auf dem DSC-Controller der gerufenen Funkstelle, so dass Fehler durch Mitschreiben des Anrufes oder wegen unverständlicher Sprachübermittlung nicht auftreten</li>
<li>die per DSC übertragenen Daten werden in einem Speicher des DSC-Controllers abgelegt und können somit jederzeit abgerufen werden.</li></ul>
<p>Der digitale Selektivruf wird auf speziellen, dafür reservierten Kanälen bzw. Frequenzen übertragen. Bei <a href="Ultrakurzwelle" title="Ultrakurzwelle">UKW</a> ist dies Kanal 70. Bei Grenz- und Kurzwelle gibt es getrennte Frequenzen für Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsanrufe (auf <a href="Grenzwelle" title="Grenzwelle">Grenzwelle</a> die Frequenz 2187,5 kHz (<a href="Mittelwelle" title="Mittelwelle">MF</a>) und bei <a href="Kurzwelle" title="Kurzwelle">Kurzwelle</a> 4207,5 kHz, 6312 kHz, 8414,5 kHz, 12.577 kHz und 16.804,5 kHz (<a href="Kurzwelle" title="Kurzwelle">HF</a>)) und für gewöhnliche Anrufe, siehe die Liste in <a href="Mobiler_Seefunkdienst#Frequenzbänder" title="Mobiler Seefunkdienst">Mobiler Seefunkdienst</a>. Sprechfunk ist auf diesen Kanälen bzw. Frequenzen verboten.
</p><p>Auf <a href="Ultrakurzwelle" title="Ultrakurzwelle">UKW</a>-Kanal 70 (156,525 MHz) werden die Daten mit einer Datenrate von 1200 <a href="Baud" title="Baud">Baud</a> übertragen, so dass die Übermittlung eines DSC-Anrufes etwa eine halbe Sekunde dauert. Bei Grenzwelle und Kurzwelle beträgt die Datenrate 100 Baud, so dass hier die Übermittlung eines DSC-Anrufes etwa sieben Sekunden erfordert. Als Modulationsfrequenzen werden auf UKW 1300 Hz und 2100 Hz verwendet, auf Grenzwelle und Kurzwelle die <a href="Mittenfrequenz" title="Mittenfrequenz">Mittenfrequenz</a> 1700 Hz mit einer Toleranz von ±85 Hz.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Ist zudem die MMSI einer <a href="Seefunkstelle" title="Seefunkstelle">Seefunkstelle</a> bekannt, lässt sich per DSC deren Position abfragen und so die Fahrt des Schiffes überwachen. Dies geschieht normalerweise ohne schiffsseitige Kenntnisnahme, kann jedoch zu störenden akustischen Fehlermeldungen führen, wenn der GPS-Empfänger abgeschaltet ist.
</p><p>DSC darf nicht mit AIS (<i><a href="Automatic_Identification_System" title="Automatic Identification System">Automatic Identification System</a></i>) verwechselt werden. Ein mit AIS ausgerüstetes Fahrzeug sendet auf zwei UKW-Kanälen ständig die Position, Kurs, Ziel und andere Informationen aus, um Kollisionen mit anderen Schiffen zu vermeiden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Ponick, Rogge, Braun: <i>Handbuch für den Seefunkdienst</i>. 1. Auflage, DSV Verlag 2006, ISBN 3-88412-432-3, S. 116–117.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.itu.int/dms_pubrec/itu-r/rec/m/R-REC-M.493-11-200405-S!!PDF-E.pdf">RECOMMENDATION ITU-R M.493-11* Digital selective-calling system for use in the maritime mobile service</a></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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